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03 März 2009

Absolut voll auf der Höhe

... in Lima war es Sommer, hier in La Oroya, nur 180 Straßenkilometer und genau 3750 Höhenmeter entfernt, ist es Winter. Gefühlte minus 3 Grad. Im Bett etwas wärmer. Etwas. Heizungen sind hier gänzlich unbekannt. Daher war die Nacht kurz, das Frühstück übersichtlich, der Kaffee von Nestle.
Vor der Pressekonferenz blieb noch eine Stunde. Wir baten unseren Fahrer, uns die Stadt zu zeigen. 50.000 Einwohner, eine Straße, in der Mitte "The Company". Uncle Sam hat hier in eine gigantische Erzschmelze investiert. Diese läßt die Indios in den Minen nach Gold, Silber, Blei und Selen buddeln und gießt die Früchte des Berges in Barren. Der Grad der Umweltverschmutzung läßt sich dabei nur mit russischen Maßstäben messen. Der Profit kommt den verarmten und verschuldeten Nordamerikanern zu Gute. Also, einigen von ihnen.
Pressekonferenz. Sehr viele Leute, sehr viele Fotos, wenig Fragen. Die Leute sind total aufgeregt. Wir sind die erste nicht-amerikanische Band, die den Weg hier herauf gefunden hat. Der erste Elektro-Konvoi, der durchgekommen ist - und der erste, der es versucht hat.
Danach gehts gleich zur Venue. Gestiftet von "The Company". Penibel überwachen wir das Entladen und den Aufbau von PA, Licht und Backline, aber unsere Crew kommt aus Lima und versteht ihr Handwerk. Beim Soundcheck fällt der Strom trotzdem zweimal komplett aus. Niemand wundert sich. Wir passen uns der lokalen Mentalität an. Zu mehr reicht für uns auch der Sauerstoff nicht.
Abendessen, relaxen (bei gefühlten minus 3 Grad) - und dann ins Krankenhaus, gestiftet von "The Company". 10 Minuten Sauerstoffdusche für alle. Das muss reichen.
Wieder mit dem Van zur Venue. Schon von draußen hören wir die Leute: "Me-Lo-Tron! - Me-Lo-Tron!" Unglaublich! Etwa 800 Fans warten, alle in bewährtem "Elektro-Schwarz", ungeduldig auf unseren Auftritt. Einmal tief dünne Luft holen und rauf auf die Bühne. Ein unglaublicher Empfang! Die Leute sind lauter als die Verstärker. Der Mixer versucht das Letzte aus der PA rauszuholen. Totaler Stromausfall. Die Leute singen weiter. Auf deutsch: "Doch das Herz braucht mehr!" Der Anfang eines ungewöhnlichen, eines unglaublichen Konzertes. Uns geht schnell die Luft aus, aber diese Leute peitschen uns hoch. Zum schwindelig werden - und noch ein bißchen mehr. Nach 3 Zugaben sind wir total erschöpft. Und glücklich. Es hat sich gelohnt - und noch ein bißchen mehr.
Muchisimas gracias La Oroya. Es war uns allen ein unvergleichliches Fest. Scheiß auf die Company. La Oroya hat gerockt!

02 März 2009

Elektro-Expedition

Noch guter Dinge besteigen wir am 27.02. den Van, der uns nach La Oroya bringen soll. Ein Zweiter transportiert unser Equipment, gefolgt von einem LKW mit den Amps und der restlichen Backline. Der Kovoi startet. Nach peruaniscchen Maßstäben pünktlich, nach unseren mit einer Verspätung von 2 Stunden. Unser Fahrer verwechselt den Schaltknüppel ständig mit einem Joystick. Gutes Zureden hilft - eine Weile.
Finde den Bus. ;)
180 km Entfernung, 5 Stunden Fahrt, 5000 Höhenmeter. Ungezählte Kuven. Nach ca. 4 Stunden erreichen wir die Passhöhe. Vielleicht die erste deutsche Musik-Expedition auf 5000 Metern? Schlagartig wird uns klar, was es bedeutet, wenn man sagt: "Die Luft wird dünn"! Nicht bewegen, bloß ganz ruhig im Van sitzen bleiben. Das geht.
Dann wieder 1000 Höhenmeter bergab durch die Anden. Noch keine Verluste, alle Fahrzeuge und wir armen Mitteleuropäer sind o.k.. Die Ankunft in La Oroya ist atemberaubend. Wörtlich. Etwa 100 Fans warten vor dem Hotel. Wir werden durch ein Spalier von Securities zum Hoteleingang getrieben. Eine Treppe rauf, ohne Gepäck. Ende. Keine Luft mehr, statt dessen Schwindel. Der Boden scheint zu wackeln. Mit letzter Kraft begrüßen wir die Fans von einem Balkon des Hotels. Michael Jackson im Adlon. Nur, wir sind nicht in Berlin, das Hotel ist nicht das Adlon - und unsere Nasen sind echt :)
Eine Prise Sauerstoff aus der Flasche, ein Mate de Coca aus der Tasse und wir fallen erschöpft in die eiskalten Betten ...

02 März 2009

Eine Sommernacht in Lima

Lima ist eine schöne Stadt und der Tag begann mit strahlendem Sonnenschein. Genau das richtige Wetter, um einen kurzen Bummel durch Miraflores zu machen, bevor es zum Soundcheck ging. Während der Fahrt zur Venue bekamen wir die Nachricht, dass alle Karten im Vorverkauf raus sind. Ausverkauft!

Im Club ist alles vom Besten. So lässt es sich arbeiten.
Nach dem Check ging's zum Entspannen ins Restaurant. Wir genossen die Ruhe vor dem Sturm, denn der kam und hinterließ zufriedene und völlig erschöpfte Fans ...
Trotz der warmen Sommernacht wäre noch Platz für weitere 100 Fans gewesen, aber in Peru ticken nicht nur die Uhren anders.
Muchas gracias, Lima!